Erlebnisbericht - 16 Tage an der Deutschen SchülerAkademie

Als mir vorgeschlagen wurde, meine ersten Ferientage inmitten von begabten Schülern und Schülerinnen aus dem ganzen Bundesgebiet zu verbringen, hielt sich meine Begeisterung - verständlicherweise - zuerst in Grenzen.

Während meine Freunde die Sommerferien genießen würden, sich im Freibad oder zu Hause sonnten, mit Freunden trafen oder lange ausschliefen, sollte ich meine Zeit mit Lernen verbringen? Nein, danke!

Dies war zumindest meine erste Reaktion.

Wie kommt es, dass ich heute zurückblicke und erleichtert bin, dass ich den Fehler, diese einmalige Möglichkeit nicht zu nutzen, nicht gemacht habe?

Bestimmt liegt es zu einem Großteil an den neuen Freundschaften, die ich dort geschlossen habe. Zum Teil sicherlich auch an den für meine Zukunft wichtigen Erkenntnissen. Aber erst einmal der Reihe nach.

Kurz nachdem ich mich letztendlich doch für eine Teilnahme entschieden hatte, zum großen Teil auch wegen der mir vorausgesagten Vorteile bei Bewerbungen, etc., kam ich schon in die Bedrängnis, mich für einen Kurs zu entscheiden.

Sollte ich lieber in einen Kurs über "Geometrie in der theoretischen Mechanik" gehen? Oder doch etwas über "Biotreibstoffe - die nächste Generation" erfahren? Zur weiteren Auswahl standen auch noch "Wissenschaftlich bewiesen? Statistik in der Medizin", "Recht und Gerechtigkeit - Spannungsfelder in Theorie, Praxis, Geschichte", The times they're a-changing - 1968 und Musik" und der Kurs, für den ich mich letztendlich entschieden habe: "Klimaschutz - mach's zu deinem Projekt", in dem es um Projektmanagement und Klimaschutz ging.

Zum einen, weil mich das Thema interessierte, zum anderen, weil ich hoffte, dass dies ein etwas alternativer Kurs werden würde und ich als "Nicht-Hochbegabte" nicht so auffiele.

Nur ein paar Tage später kam auch schon die Zusage, dass ich im Kurs aufgenommen wurde, inklusive einer Mail meiner zukünftigen Kursleiter mit der Aufgabe, einen 45-minütigen Vortrag über Windenergien vorzubereiten. Worauf hatte ich mich da nur eingelassen?

Kurz darauf war es auch schon soweit; Ich stand am Solinger Hauptbahnhof mit meinem Zugticket und einer riesigen Reisetasche in der Hand, die ganze Zeit ausschauhaltend nach einem ebenso bepackten Jungen, der sich mit mir treffen wollte, damit wir beide nicht alleine die mehrstündige Zugfahrt zu bewältigen hatten. Doch wo war er? Als der Zug einfuhr begann ich langsam, nervös zu werden. Ich schaffte es noch nicht einmal, mich in Solingen zurecht zu finden, wie sollte ich da ein kleines Dorf in Sachsenanhalt finden, in dem sich unsere Unterkunft für die nächsten 16 Tage, ein altes Internatsgebäude, befand? Im Zug entdeckte ich dann endlich jemanden, der der Beschreibung nahe kam, die ich erhalten hatte. Und wirklich - meine erste Akademiebekanntschaft war gefunden. Was ich in dem Moment noch nicht wusste, war, dass ich auch nach den 2 Wochen noch einen so guten Kontakt zu ihm haben würde, dass wir gemeinsam auf Partys oder Konzerte gingen, DVD-Abende veranstalteten oder unsere anderen Akademiefreunde bei Nachtreffen durch Solingen führten.

Im Laufe der Zugfahrt stiegen immer mehr und mehr DSA-ler ein und mein erster Eindruck vom "Strebercamp", wie es meine Freunde nannten, verblasste in weiter Ferne und ich wusste, dass die kommenden zwei Wochen mehr als nur eine für mich unbedeutende Erfahrung darstellen würden.

Dennoch war ich, wie der Großteil der DSA-ler etwas skeptisch, als uns am ersten Tag von einem der beiden Akademieleiter - mit seinen 21 Jahren erstaunlich jung - mitgeteilt wurde, dass wir die Deutsche SchülerAkademie noch lange nach ihrem eigentlichen Stattfinden vermissen würden.

Die nächsten Tage sollten jedoch beweisen, dass dem tatsächlich so war!

Vormittags und nachmittags hatten wir je zwei Stunden lang Kursarbeit, die jedoch von einigen Wasserschlachten und Kuchenessen unterbrochen wurde. Die restliche Zeit stand unserer freien Kreativität zur Verfügung. Es wurden sogenannte KüA's angeboten (Kursübergreifende Aktivitäten), die zum Teil zwar auch einen "ernsten" Charakter hatten, wie z.B. Chor, Joggen, Orchester oder Akademiezeitung, zum Teil allerdings auch mehr oder weniger sinnlos und damit sehr beliebt waren, wie die amerikanische-Serien-KüA, die Gruselgeschichten-KüA um Mitternacht, die Mafia-KüA, usw.

Dabei stand uns jederzeit das ganze Internatsgelände zur Verfügung, das ein Fußball- und Volleyballfeld, eine Sporthalle, einen "See", der vielmehr ein Tümpel war, Computerräume, einen Partykeller, mehrere Teeküchen, einen Aufenthalts- und Kickerraum, und noch viel mehr beinhaltete.

Feste Bett- und Essenszeiten gab es nicht, ebenso wenig wie Ausgehverbote. Dies hätten auf Grund der Tatsache, dass wir uns inmitten von Feldern befanden, auch nur schwer verletzt werden können…

Dennoch waren wir durchaus glücklich über die uns gegebenen Freiheiten, die nur eingeschränkt wurden von der Regel, dass um 8:30 Uhr jeden morgen jeder zum Plenum erscheinen musste, in dem der "Held des Tages" ebenso wie der "Looser des Tages" bestimmt wurden. Letzterer musste bzw. durfte sich dann einen Tag lang um das Akademietamagoshi kümmern. Held des Tages konnte man werden wenn man z.B. eine Party organisiert hatte und Looser, wenn man mit Brötchen ins Plenum kam, da man wieder einmal keine Zeit zum Frühstücken hatte.

Alles in allem bekam man nie mehr als 5 Stunden Schlaf pro Nacht, ein Problem, dass durch eine neugegründete Mittagsschlaf-KüA jedoch schnell behoben wurde.

Einige Highlights der Zeit waren definitv der Besuch eines 68er-Zeitzeugen, der seine Lebensgeschichte erzählte, ein Studienberatungsabend, das Volleyball- und Cheerleadingturnier, die Halbzeit- und Abschiedsparty, das Publicviewing des Finales der Fußballweltmeisterschaft inkl. unseres eigenen Turniers, eine Kanutour, Lagerfeuerabende, eine Nachtwanderung mit anschließendem Draussenschlafen, ein Konzert in Veckenstedt (unserem Nachbarort), einer riesigen Wasserbombenschlacht, die für einige (wie mich) im Tümpel endete, und der abschließende "Bunte Abend", den alle KüAs und Gruppen kreativ gestalteten. Meine Gruppe hatte einen Rap zum Thema Klimaschutz und Projektmanagament vorbereitet und am Ende machte auch die Tatsache, dass keiner von uns wirklich wusste, was er da überhaupt machte, nichts!

Anschließend stellten wir noch unser Projekt vor. Innerhalb der zwei Wochen hatten wir ein Osmosekraftwerksmodell entworfen und verwirklicht. Unser Ziel war es, das Prinzip der Osmose - Konzentrationsausgleich zwischen zwei Lösungen zur Energieerzeugung - bekannter zu machen, da es sich hierbei um eine zukunftsorientierter Form der Stromgewinnung handelt.

Am nächsten Tag war es dann leider schon soweit - der Abschied war gekommen. Aber eigentlich war es nur einer von kurzer Dauer. Denn seit dem Ende der Akademie gab es bereits mehrere Nachtreffen im Raum NRW, u.a. einige Geburtstage und Partys, Klettern in Leverkusen, einem Konzert in Solingen, Shoppen und Eisessen in Essen, Köln und Düsseldorf, DVD-Abende und noch viel mehr. In ungefähr zwei Wochen ist ein großes Nachtreffen in München mit Besuch des Oktoberfestes und eines Konzerts angesetzt. Ich bin sicher, dass noch mehrere folgen werden.

Ich hätte nie gedacht, dass ich innerhalb dieser kurzen Zeit nicht nur Leute kennen lernen und gerne auf Nachtreffen wieder sehen würde, sondern auch enge Freundschaften schließe, die zum Teil auch zu täglichem Emailverkehr und Anrufen führten.

Nach dem Abitur plant eine Gruppe von uns zusammen für einen Monat durch Europa zu reisen, bevor jeder seine eigenen Wege geht. Auch wenn sich die wenigsten Teilnehmer für hochbegabt halten, zeichnen sich doch alle durch eine sehr hohe Motivation aus. Ich bin überzeugt davon, dass sich eines Tages ein Teil von ihnen in hohen Positionen bei großen Firmen wiederfinden wird. Die Akademie hat es uns ermöglicht, Kontakte zu knüpfen, die zum einen auf einer engen freundschaftlichen Basis beruhen, auf der anderen Seite auch beruflich von Nutzen sein können.

Ich kann es jedem, der interessiert ist, etwas über die Schule hinaus zu lernen - und zwar nicht nur theoretisch sondern auch von der praktischen Seite, der neue Leute kennen lernen will, und sich evtl. auch einige Anregungen für die eigene berufliche Zukunft holen möchte, nur empfehlen, sich innerhalb und außerhalb der Schule zu engagieren, damit man für einen DAS-Aufenthalt von der Schule vorgeschlagen werden kann. Es kommt nicht (nur) darauf an, dass man gute Noten hat, sondern vielmehr, dass man Interesse an Neuem zeigt und offen dafür ist!

Tabitha Goerz