Mit interessanten Fragen im Gepäck, machten sich am 2.9.09 elf Schülerin-nen und Schüler der Jahrgangsstufe 12 auf den Weg zur Firma AiCuris in Wuppertal. Interviewt werden sollte Frau Prof. Rübsamen-Schaeff, Vor-sitzende der Geschäftsleitung. Sie stand im Mittelpunkt des Geistesblitze-Projektes des Stifterverbandes für die deutsche Wissenschaft, an dem wir uns beteiligt haben. Bei diesem Wettbewerb waren Schülerinnen und Schüler aus ganz Deutschland im Wissenschaftsjahr 2009 aufgerufen, sich auf die Spur von wichtigen Erfindungen, bedeutenden Wissenschaftlern oder außergewöhnlichen Produkten aus ihrer Region zu begeben, die den Alltag noch heute prägen.
Für diese Aufgabe haben wir uns die Chemikerin und Professorin für Infektiologie und Biochemie, Frau Prof. Dr. Rübsamen-Schaeff, deren Firma AiCuris ihren Sitz im Bergischen Land hat, ausgesucht. Wir waren der Meinung, dass Frau Rübsamens Anwesenheit in Wuppertal die Bedeutung der Region stärkt und als einen Standort ausweist, an dem intelligente und hochkarätige Forschung betrieben wird. Natürlich haben die Forschungsergebnisse der bekanntesten AIDS-Forscherin Deutschlands nicht nur regionale Bedeutung. So hat sie dazu beigetragen, dass in den 1980iger Jahren die ersten AIDS-Tests entwickelt werden konnten, und heute sucht sie nach Wirkstoffen, die gegen den Erreger von AIDS und andere Viren wie Herpes oder den Cytomegalie-Virus gerichtet sind.
Spannend und informativ berichtet Prof. Rübsamen aus ihrem Leben. Nach Besuch eines humanistischen Gymnasiums nahm sie ein Chemiestudium auf, weil sie neugierig auf dieses Fach war, das an ihrem Gymnasium nur eine untergeordnete Stellung einnahm. Nach der Promotion in Münster absolvierte sie Postdoc-Aufenthalte an der renommierten Cornell-Universität und in Harvard. In Frankfurt leitete sie das Georg-Speyer-Haus und danach wurde sie die Leiterin der Antiinfektiva-Forschung von Bayer in Wuppertal. Heute ist sie Vorsitzende der Geschäftsleitung der Firma AiCuris in Wuppertal, ein Unternehmen mit ca. 50 Mitarbeitern, eine Ausgründung der Firma Bayer, die die Antiinfektiva-Forschung fortführt.
Dass solch eine Karriere mit Familie und einem Kind vereinbar ist, wunderte uns. Frau Rübsamen gab jedoch den Tipp, sich als Frau einen Partner zu suchen, der die engagierte Berufstätigkeit seiner Frau unterstützt. Sie beispielsweise habe sich mit ihrem Mann gut ergänzt; er habe immer gerne gekocht und ihr Zuständigkeitsbereich sei der Garten gewesen. Als berufstätige Familienmutter solle man sich jedoch davor hüten, alles alleine und perfekt machen zu wollen. Man könne sich nicht ausreichend um sein Kind kümmern, Karriere machen und noch eine tolle Köchin sein, einige Aufgaben im Haushalt müssten klar delegiert werden.
Uns interessierte, ob sie noch selbst im Labor tätig ist, was sie jedoch verneint, da sie für die Strategie des Unternehmens zuständig ist. Natürlich muss sie dafür noch extrem viel wissenschaftliche Literatur lesen und schaut sich auch die Ergebnisse aus den Labors an - die Tätigkeiten im Labor führen ihre Mitarbeiter aus, von denen wir einige kennenlernten. So führte der Sicherheitsbeauftragte der Fa. AiCuris, Herr Uwe Reimann, eine umfangreiche Sicherheitsunterweisung mit der Gruppe durch, ein anderer Mitarbeiter gewährte Einblicke in sein Mikroskop, durch das Fibroblasten, die mit grün leuchtendem Protein markiert waren, zu sehen waren. Eine weitere Mitarbeiterin erklärte der Gruppe moderne Proteinreinigungstechniken mittels FPLC, oder wie eine DNA-Probe mittels Agarose-Gelelektrophorese aufgetrennt wird.
Wir wollten außerdem wissen, welchen naturwissenschaftlichen Studiengang Frau Rübsamen-Schaeff heute empfehlen würde. Nach wie vor ist sie der Meinung, dass das Chemiestudium eine gute Grundlage bietet, von der aus man sich später in Richtung Biologie, Medizin oder Biochemie weiter spezialisieren kann, aber auch kreative neue Materialien erfinden oder Umweltfragen lösen kann. Im Chemiestudium lernt man, genau zu arbeiten, Experimente sinnvoll zu konzipieren und gewissenhaft auszuwerten, was in allen naturwissenschaftlichen Disziplinen wichtig ist.
Stark beeindruckt von Frau Rübsamens Persönlichkeit, aber auch von der technischen Ausstattung eines molekularbiologischen und infektiologisch arbeitenden Labors, kehrten wir zurück nach Solingen.
Unsere Recherchen über Frau Rübsamen-Schaeff sowie unsere neu gewonnenen Erkenntnisse im Bereich der Virologie, insbesondere über AIDS, werden wir am 29.10.09 im Rahmen des Projekttages "Achtung Virus - Stopp AIDS" an der ADS vorstellen, auch mit Hilfe einer von uns gestalteten Homepage. An diesem Tag werden Vorträge für die Oberstufe zu hören sein und die Mittelstufenschülerinnen und -schüler werden unter Mithilfe von Pro Familia und der AIDS-Hilfe Solingen einen Lernparcours zum Thema AIDS absolvieren. Organisiert wird alles vom Geistesblitze-Team der August-Dicke-Schule, welches für die gute Projektidee 5000 € vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft erhalten hat.
Dr. K. Jehmlich